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Wolfgang Hessenauer und Franz Betz werfen einen Blick in den Rückspiegel und nach Vorne

Heute vor einem Jahr starteten die beiden ihre engagierte Aufklärungsarbeit mit der „Stunde null mit allen Konsequenzen“

Heute vor einem Jahr wurden Wolfgang Hessenauer und Franz Betz in geheimer Wahl von der außerordentlichen Kreiskonferenz zu gesetzlichen Vertretern des AWO Kreisverbands Wiesbaden e.V. gewählt. Damit begann ihre unermüdliche und konsequente Aufklärungsarbeit im Interesse des Erhalts und der Fortführung des Kreisverbandes, seiner Einrichtungen und aller Arbeitsplätze.

Am Wahlabend stehen die beiden vor einem riesigen Scherbenhaufen. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat im Herbst 2019 hingeworfen, weil ihr von der früheren Geschäftsführung Auskünfte und Unterlagen verweigert wurden. Die Jahresabschlüsse 2018 und 2019 sind ungeprüft. Kurz darauf beginnen die Steuerbehörden mit einer umfassenden Prüfung des Geschäftsgebarens seit 2014. Der Verlust der Gemeinnützigkeit droht. Mitte Januar 2020 finden Hausdurchsuchungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft in den Geschäftsräumen der AWO Kreisverbände Wiesbaden und Frankfurt statt. Längst ist einer interessierten Öffentlichkeit bekannt, dass sich die frühere Geschäftsführung überhöhte Gehälter, luxuriöse Dienstwagen, missbräuchliche Bargeldentnahmen und Kreditkarten genehmigt und ausgewählte Mitarbeiter*innen begünstigt hat.

Daher muss zuerst verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Und das hätte außer Wolfgang Hessenauer und Franz Betz niemand in so kurzer Zeit schaffen können. Bereits am Wahlabend haben die beiden keinen Zweifel aufkommen lassen, dass es ihnen um konsequente und lückenlose Aufklärung und Sanktionierung des Fehlverhaltens der bisherigen Verantwortlichen geht. Die Unterstützung des AWO-Bundesverbandes ist dem neuen Vorstand gewiss. Wolfgang Stadler, der die Entwicklungen in den AWO-Kreisverbänden Frankfurt und Wiesbaden als „nach wie vor dramatisch“ ansieht, sichert dem neuen Vorstands-Duo rückhaltlose Unterstützung zu. Und Ende Februar bekommen die beiden für ihren Kurs eine weitere wichtige Unterstützung, im Rahmen der außerordentlichen Kreiskonferenz werden Frank Hasenclever, Michael Meurer und Udo Puster-Wall zu Besitzern gewählt, Michael Bischoff und Gaby Wolf werden zu Vereinsrevisoren bestimmt.

Die Aufklärungsarbeit läuft vom ersten Tag an auf Hochtouren. Alle Leistungsverträge zwischen dem AWO Kreisverband Wiesbaden und den Vertragspartnern auf Seiten der Landeshauptstadt, dem Land Hessen, den Pflegekassen und Zuwendungsgebern werden auf eine missbräuchliche Verwendung geprüft, Beschäftigungsverhältnisse mit früheren Verantwortlichen werden fristlos beendet, Trennungsprozesse vorbereitet, Rückgruppierungen und Streichung von Zulagen werden vollzogen, Dienstwagen und sog. Car Allowances werden kassiert. Wolfgang Hessenauer und Franz Betz sind ganztags und teilweise an den Wochenenden in der Geschäftsstelle des Kreisverbands im Einsatz, mehr als ein full-time-Job.

Anfang Mai wird Dr. Andrea Piro vom Kreisvorstand zur Geschäftsführerin des AWO Kreisverbands Wiesbaden berufen. Sie ist im Wege eines Interims-Managements mit dem Tagesgeschäft betraut, unterstützt bei der Aufklärungsarbeit und bringt ihre Erfahrungen bei der Neugestaltung von Organisationsstruktur und Geschäftsprozessen ein. Im Kreisverband soll eine neue Unternehmenskultur Einzug halten, getragen von Transparenz und Beteiligung der Einrichtungsleitungen an Unternehmensentscheidungen.

Vakante Leitungsstellen werden ausgeschrieben, alle Auswahlverfahren werden transparent unter Beteiligung des Betriebsrates gestaltet, das Auswahlverfahren für die künftige Geschäftsführung folgt dem AWO Governance-Kodex auf Bundesebene. Das frühere Postengeschacher, die Begünstigung von Verwandten und Freunden gehören endgültig der Vergangenheit an.

Ab dem Frühherbst wird immer deutlicher, in welche Schieflage die massiven Verfehlungen der früheren Verantwortlichen und ihr Missmanagement den AWO Kreisverband Wiesbaden gebracht hat, die trotz aller Anstrengungen in wenigen Monaten nicht abgewendet werden kann. Wirtschaftliche Fehlentscheidungen, wie den Verkauf von Grundstück und Gebäude des Pflegezentrums Konrad Arndt in 2019, die unzureichende Finanzierung der Bau- und Sanierungskosten des Pflegezentrums Robert Krekel, die über mehr als ein Jahrzehnt versäumten individuellen Pflegesatzverhandlungen wiegen schwer, Ende November droht Zahlungsunfähigkeit. Monatelange Bemühungen eine ausreichende Baukostenfinanzierung sicherzustellen scheitern, von Seiten des Finanzamtes drohen hohe Steuernachzahlungen, daher wird nach intensiven Beratungen ein Solidarangebot der Beschäftigten, auf die Auszahlung des Weihnachtsgeldes im November, der Corona-Prämie im Dezember und auf Tarifsteigerungen im nächsten Jahr zu verzichten, nicht angenommen, sondern stattdessen der Weg in die Insolvenz in Eigenverwaltung gewählt. Das Amtsgericht Wiesbaden stimmt dem Antrag des Kreisverbandes zu und ordnet am 24. November 2020 die Eigenverwaltung an. Dieser Schritt soll den nötigen Rückenwind für umfassende Restrukturierungs- und Sanierungsmaßnahmen bieten.

Wolfgang Hessenauer und Franz Betz sind sich einig, wenn sie vor einem Jahr gewusst hätten, was da auf sie zukommt, hätten sie lange gezögert diese Mammut-Aufgabe zu schultern. Dabei kann sich das Erreichte sehr wohl sehen lassen. Alle Trennungsprozesse sind auf gutem Wege erfolgreich abgeschlossen zu werden, Schadensersatzansprüche gegen die früheren Verantwortlichen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages wurden bis Ende letzten Jahres geltend gemacht. Längst ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 20 Beschuldigte; Anfang Dezember führten Hausdurchsuchungen in mehreren Privatwohnungen zur Pfändung von Immobilien und Beschlagnahme von Autos sowie teuren Elektronikgeräten. Die Pflegesatzverhandlungen für das Pflegezentrum Robert Krekel konnten erfolgreich abgeschlossen werden; die neuen Pflegesätze liegen im Schnitt um 27% über den bisherigen. Und Anfang Dezember konnte Karsten Kienitz für die Geschäftsführung gewonnen werden.

Und beim Blick nach Vorn wird klar: das Jahr 2021 wird genauso herausfordernd wie das zurückliegende. Dafür haben sich Franz Betz und Wolfgang Hessenauer gemeinsam mit Karsten Kienitz und Dr. Andrea Piro erneut um das Vertrauen ihrer Mitarbeiter*innen und Geschäftspartner beworben, um das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abschließen zu können.

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